Blick der Jugend auf den Neckar lenken
ESSLINGEN: Das Projekt „Von Fischen und Frachtern“ will Gewässerpädagogik verankern
Mit Veranstaltungen in mehreren Städten ist gestern das landesweite Projekt „Von Fischen und Frachtern“ gestartet. In Esslingen trafen sich Vertreter des Regierungspräsidiums, des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Stuttgart und der Stadt Esslingen an der Staustufe nahe des Landratsamts, um den Blick nachhaltig auf den Neckar zu lenken. Im Vordergrund des Projekts stehen Kinder und Jugendliche.
Das neue Projekt „Von Fischen und Frachtern“ zielt darauf ab, das Thema Gewässerpädagogik in Baden-Württemberg zu verankern. Ein umfassendes Netz von Bildungsangeboten für Schulklassen, sowie Kinder- und Jugendgruppen entlang des gesamten Neckars soll Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, „ihren“ Fluss einmal außerhalb des Klassenzimmers kennen zu lernen.Zur Auftaktveranstaltung an der Staustufe war eine siebte Klasse der Neckarrealschule Nürtingen eingeladen. Sie bekam schon einmal einen Eindruck wie der Unterricht in Sachen Gewässer in Zukunft aussehen kann. Der Württembergische Anglerverein hatte ein großes Aquarium aufgebaut, in dem eine Auswahl an Fischen aus dem Neckar schwamm. „Barsch, Sonnenbarsch, Laube, Rotfeder, Rotauge und Brachse“, zählt Hans-Hermann Schock die Exemplare im Aquarium auf. Zurzeit gebe es noch etwa 40 verschiedene Fischarten im Neckar, allerdings seien nur noch etwa ein Viertel der Fische übrig, die es zu Spitzenzeiten in dem Fluss schon gegeben habe. Die Kinder lernten in einem Quiz den Karpfen kennen und durften sogar auf das Stauwehr steigen.
Den Neckar durchlässiger machen
„Wir bauen das nicht für uns“, sagt Walter Braun, Leiter des WSA, in Richtung der Kinder aus Nürtingen. Alles was heute geplant werde, sei für die kommenden Generationen. Mit „bauen“ meint Braun, den Neckar wieder durchlässiger für die Fische zu machen. Es sollen mehrere Fischtreppen entstehen, genügend Sauerstoff und weniger Schadstoffe vorhanden sein.
„Das ist eine Mammutaufgabe“, ist sich Regierungspräsident Johannes Schmalzl sicher. Er gibt den Kindern eine Vorstellung, wie wichtig Wasser für die Menschen ist. „Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger wiegt wohl etwa 70 Kilogramm, etwa 65 Prozent davon sind Wasser“, erklärt Schmalzl.
Zieger gibt den Schülern einen Einblick, dass der Neckar vor knapp 20 Jahren „ziemlich tot“ gewesen sei. Damals hatten Industriebetriebe durch Abwässer den Fluss völlig verunreinigt. Seither sei viel Geld investiert worden, um die „ökologische Katastrophe“ rückgängig zu machen. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass der Fluss nicht eine Abfallgrube, sondern etwas Wertvolles ist“, sagt der Oberbürgermeister.



Artikel kommentieren