Durchbruch für die Kinderpsychiatrie
KREIS ESSLINGEN: Neues Angebot des Klinikums Esslingen an Kinder und Jugendliche - Einigung mit Christophsbad
„Seit August behandeln wir Kinder und Jugendliche ambulant“, berichtet Bernd Sieber, der Geschäftsführer des Klinikums. Noch in diesem Dezember wird eine Tagesklinik mit sechs Plätzen den Betrieb aufnehmen. Ein Neubau mit 24 Betten, der möglicherweise auf dem Dach der Kinderklinik entstehen wird, soll außerdem ab 2012 auch eine stationäre Aufnahme ermöglichen. Bis dahin müssen betroffene Familien, die solche Plätze suchen, weiterhin an das Ölgäle oder andere Adressen außerhalb des Landkreises verwiesen werden.
Oberbürgermeister Jürgen Zieger sprach vor der Presse von einem wichtigen Fortschritt. „Mit dieser Ergänzung des medizinischen Spektrums werden wir unserem Anspruch gerecht, ein Krankenhaus mit Zentralversorgung zu sein.“ Dass der Neuerung ein jahrelanges Tauziehen vorausgegangen ist, bedauert Zieger. Die Ursache für die Verzögerung sieht er in einem Konflikt zwischen dem Land und dem Christophsbad in Göppingen.
Ministerium vermittelt
Im April 2007 hatte das Sozialministerium entschieden, dass das Klinikum Esslingen ein Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 50 Plätzen aufbaut. Doch das Christophsbad in Göppingen protestierte. Mit einer Klage versuchte der Mitbewerber, die Weichenstellung zu korrigieren. Erst ein Schiedsspruch des Ministeriums hat den Stillstand jetzt überwunden. Das Ergebnis: Das Klinikum Esslingen schafft 30 Plätze, das Christophsbad fast 20. Die Konkurrenten haben diesen Kompromiss akzeptiert. Zieger ist trotz Abstrichen am ursprünglichen Konzept zuversichtlich, dass „ein Zentrum dieser Größe betriebswirtschaftlich darstellbar ist“.
Mathias Leschke, ärztlicher Direktor des Klinikums, spricht von einem Meilenstein. Konzeptionell und personell sieht er die Voraussetzungen für eine Erfolgsgeschichte erfüllt. Auch Sieber ist zuversichtlich. „Die Kinder und Jugendlichen können sicher sein, für ihre Erkrankung bei uns einen angemessenen Ansprechpartner zu finden“, verspricht er.
Monika Herma-Boeters zeigt sich angetan von der Aufgabe, die sie erwartet. Die Leitende Ärztin des neuen Zentrums, die in Namibia geboren und in Südafrika aufgewachsen ist, strebt eine enge Zusammenarbeit mit der Kinderklinik an. Zu ihrem Ansatz gehört es, Kinder und Jugendliche mit ihren Problemen nicht isoliert zu sehen. „80 Prozent der Arbeit besteht aus Familientherapie.“ Die Zunahme psychischer Nöte der jungen Menschen verfolgt sie mit Sorge. Immer häufiger fehle der Halt zu Hause. Mit der „sprechenden Medizin“ will sie in dieser Situation helfen, das psychische Leid der Betroffenen zu lindern.



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