Pack ' den Fahrplan in dein Handy
KREIS ESSLINGEN: Jungunternehmer entwickeln kostenlosen Service für VVS-Verkehr - Auch Preise angezeigt
Wenn das Mobiltelefon fragt, ob es ins Internet darf, klicken viele Benutzer ganz schnell „nein“. Denn das könnte schnell teuer werden. Der neue Handyfahrplan „push& ride“ fragt so etwas nie, denn alle Daten sind lokal gespeichert. Das Programm enthält auf Wunsch den gesamten VVS-Fahrplan, ist kostenlos und sehr gut zu bedienen.
Für das Projekt hat Andreas Moosbrugger bei seiner Softwarefirma gekündigt und mit zwei Freunden die usefulbits GmbH gegründet. Derzeit sucht der 29-Jährige, der in Ostfildern wohnt, Werbekunden. Denn der Fahrplan soll für den Benutzer weiterhin kostenlos sein - aber die junge Firma kann ja nicht ewig drauflegen. Ab sofort könnte ein Gastwirt oder ein Händler seine Werbung zielgerichtet beim Aufruf seiner Haltestelle platzieren. Auch ein „Komplettsponsor“ wäre denkbar, oder Werbeschaltungen unabhängig von Haltestellen.Die Geschichte von „push&ride“ begann vor drei Jahren. Auf seinem Weg von Schwieberdingen zur Universität Stuttgart und zurück rätselte der heute 28-jährige Michael Schlagmüller immer wieder, welche der drei Umsteigemöglichkeiten diesmal die beste wäre. So programmierte er sich einen Handyfahrplan für den Eigenbedarf. Der befreundete Informatikstudent Tobias Binz aus Ditzingen, heute 25, stieg ebenfalls ins Projekt mit ein. Im Jahr 2007 wurde ein Designer auf das Projekt aufmerksam und entwickelte die ansprechende Oberfläche, Anfang 2008 half ein weiterer Bekannter bei der Programmierung. Und immer mehr Leute, die das Programm gesehen hatten, wollten es ebenfalls haben.Installiert ist es schnell: Ungefähr 20 Sekunden braucht es, bis Moosbrugger zur Demonstration den Fahrplan per Bluetooth von einem aufs nächste Handy übertragen hat. Wer ein Gerät ohne Bluetooth hat, lädt das Programm im Internet herunter. Der Fahrplan, der technisch auf der Java-Plattform basiert, läuft auf den meisten ab 2007 gekauften Handys, teils auch auf älteren Geräten. Auf der Website von „push&ride“ gibt es eine Modellliste, die ständig ergänzt wird.Im November 2008 gingen die drei Firmengründer zum VVS. „Die haben große Augen gemacht“, erzählt Moosbrugger. Den sofortigen Test einiger kritischer Verbindungen habe das Programm gut bestanden. Der VVS habe zwar bezweifelt, dass es für einen Offline-Fahrplan fürs Handy genügend Nutzer gebe.
Zielgruppe: Schüler und Studenten
Aber er habe auch nichts dagegen, dass da jemand für seine Fahrtmöglichkeiten Werbung mache. Der Kontakt gehe weiter - der VVS habe inzwischen nachgefragt, ob das Programm auch auf dem Google Phone laufe.
Die Hauptzielgruppe des Produkts sieht Moosbrugger bei Schülern und Studenten. „Ältere werden eventuell Hilfe bei der Installation brauchen.“ Einmal installiert, lassen sich bevorzugte Verbindungen speichern, für die Rückfahrt genügt ein einziger Klick. Auch die durchfahrenen Zonen und der Preis eines Einzelfahrscheins für Erwachsene werden angezeigt. Der Nutzer kann entweder die Standardversion mit dem ganzen Schienenverkehr wählen oder sich eine individuelle Version mit zusätzlichen Buslinien zusammenstellen. Seine Zusammenstellung wird gespeichert, so dass das Update beim Fahrplanwechsel ganz einfach ist. Wer ein leistungsstarkes Handy hat, kann den gesamten Fahrplan im Verkehrsverbund Stuttgart mit allen Haltestellen installieren - die Liste wird dann allerdings ziemlich lang.
Das Fahrplanprogramm wird ständig verbessert, immer wieder setzen die drei Jungunternehmer Anregungen von Benutzern um. In den nächsten Monaten wollen sie das Programm auch für andere Regionen anbieten. Das könnten die Mobilfunkanbieter, die nur am Onlinezugriff verdienen, vielleicht weniger gut finden. Doch gemach: Eine ständig aktuelle Onlineversion von „push&ride“, die dann auch Verspätungen berücksichtigt, soll es ab Jahresende ebenfalls geben.



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