Hauptsache glücklich
ESSLINGEN: „Ärzte“-Star Farin Urlaub und sein Racing Team rocken auf der Burg und 4500 Fans sind aus dem Häuschen
Viele große Namen haben auf der Esslinger Burg bereits gespielt, doch einen derart mitreißenden Auftritt wie den des Farin Urlaub Racing Teams erlebt man nur selten. Mehr als 4500 Fans feierten den „Ärzte“-Star Farin Urlaub und seine Band, die mehr als zweieinhalb Stunden lang zeigten, weshalb sie zu den angesagtesten deutschen Rock-Combos zählen. Viele von denen, die auf die Burg gekommen waren, haben das Farin Urlaub Racing Team schon oft gehört, doch in den einschlägi-gen Internet-Foren hagelte es am Wochenende seitenlange Lobeshymnen wie diese: „Das Esslinger Konzert war der Hammer.“
Zu viele Songs für eine Band allein
Wenn man in einer Band spielt, die sich gerne - und sei es auch nur mit einem Augenzwinkern - als die beste der Welt bezeichnet, hat man im Rock-Zirkus einen Logenplatz sicher. Doch dem Sänger und Gitarristen Farin Urlaub waren „Die Ärz-te“ allein noch lange nicht genug. Weil er vor Ideen nur so sprüht und einen Hit nach dem anderen raushaut, gründete er 2001 als kleine Abwechslung zwischendurch seine eigene Formation, das Farin Urlaub Racing Team (FURT). „Ich schreibe zu viele Lieder für eine Band“, verriet er im EZ-Interview. „Durch das Racing Team verteilt sich ' s jetzt auf zwei Bands und ich muss nicht mehr ganz so viele Songs auf der Fest-platte lassen.“ Das wäre auch ein Jammer, denn seine Lieder sind viel zu gut, um nicht gespielt zu werden.
Die Musik ist mitreißend und voller Power, und die Texte verdienen ein genaueres Hinhören, weil sie vielen aus der Seele sprechen. Sie handeln vom Leben und Lieben, von großen Hoffnungen und kleinen Träumen, von Sehnsucht und Enttäuschung und davon, dass man sich nie unterkriegen lassen darf, weil das Leben viel zu schön ist, wenn man nur genau hinschaut. Zwischendurch schlägt Farin Urlaub auch mal skurrilere Töne an, wenn er etwa in dem rabenschwarzen Song „Die Leiche“ ein bisschen an Ludwig Hirsch erinnert. Vor allem aber hört er nie auf, seinen Zuhörern Mut zu machen, sich selbst treu zu bleiben: „Es ist egal, was du bist. Hauptsache ist, es macht dich glücklich.“
Vielleicht ist genau das das wichtigste Erfolgsrezept von Farin Urlaub, der mit bürgerlichem Namen Jan Ulrich Max Vetter heißt und seine größte Passion, das Reisen, zum Künstlernamen machte: Er wirkt authentisch. Seine Ansagen sind witzig und voller Selbstironie - nicht mal, wenn er aus Lust am Jux ins Schwäbeln kommt, wirkt das peinlich. Bewusst bezieht er sein Publikum ins Geschehen ein - zwischendurch darf sogar mal eine Freiwillige auf der Bühne einen Titel lang mittanzen. Lena, die an diesem Abend die Glückliche ist, macht ihre Sache nicht nur prima, sie hat auch noch sichtlich Spaß dabei.
Die Konzerte der Band haben etwas von einem riesengroßen Familientreffen, nur dass man auf der Burg nicht Onkel und Tanten traf, sondern lauter Gleichgesinnte, die alle eine riesengroße Party feiern wollten. Und wenn das Publikum gegen Ende dieses musikalischen Powerplays mal abzuschlaffen drohte, riss Farin Urlaub die Menge sofort wieder mit: „Ihr klatscht ja wie bei einer langweiligen Schlager-Veranstaltung.“ Welcher Farin-Urlaub-Fan wollte sich das schon freiwillig sagen lassen…?
Die Band schlug auf der Esslinger Burg, wo sie auf ihrer „Krachgarten“-Tour Station machte, ein enormes Tempo an. 32 Songs lang sauste sie vom Eröffnungstitel „Unscharf“ über Titel wie „Worte fehlen“, „Alle dasselbe“ oder „Unter Wasser“ bis hin zum „Abschiedslied“ durch das facettenreiche Repertoire des Farin Urlaub Racing Teams, das nicht nur punkrockige Töne anschlägt, sondern die ganze Bandbreite bis hin zur stimmungsvollen Ballade auszuloten versteht. Und alle lauschten versonnen, als Farin im Schein Hunderter eigens für diesen Song auf die Bühne gebrachter Lichtlein allein mit Sängerin und Percussionistin Simone Witte den Titel „Phänomenal egal“ ins Mikro hauchte.
„Orchester voller Dynamit“
Doch meist dominierten, wie es sich für Farin Urlaub gehört, mitreißende Töne. Schlagzeug, Gitarren, Bass und ein starker Bläsersatz prägen den Sound des Racing Teams, dessen Gründer „ein Orchester voller Dynamit“ haben möchte. Schon beim Intro zum ersten Song sang, tanzte und jubelte das Publikum begeistert mit. Je weiter die Nacht heraufzog, desto stimmiger wurde die Atmosphäre und desto mehr Zugaben forderte das Publikum. Eine junge Zuhörerin sprach hinterher für die meisten: „Ein tolles Konzert. Die Stimmung auf der Burg ist, gerade wenn es dunkel wird, einfach unbeschreiblich.“
Mehr Fotos zum Konzert gibt es bei ez-online in der Bildergalerie.



Artikel kommentieren