WOLFSKOPF UND DREI HALBMONDE ALS SYMBOL

Auftritt der „Grauen Wölfe“ sorgt für Protest

ESSLINGEN: Jugendliche der extrem nationalistischen Gruppe sind als Verkäufer auf dem Bürgerfest unterwegs

 

Dass Jugendliche in T-Shirts mit dem Emblem der „Grauen Wölfe“ beim Bürgerfest offen auftraten, ist einigen Esslingern sauer aufgestoßen.Foto: e
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Dass Jugendliche in T-Shirts mit dem Emblem der „Grauen Wölfe“ beim Bürgerfest offen auftraten, ist einigen Esslingern sauer aufgestoßen.Foto: e

 

Das Bürgerfest hinterlässt bei manchen einen faden Nachgeschmack. An einem Imbissstand des Vereins türkischer Arbeitnehmer waren Jugendliche in T-Shirts der extrem nationalistischen „Grauen Wölfe“ aufgetreten. In einem Brief an die Stadtverwaltung wird nun gefordert, derartigen Umtrieben künftig einen Riegel vorzuschieben.

Von Dagmar Weinberg

Dass beim Bürgerfest „in aller Öffentlichkeit“, wie es in dem Brief heißt, „eine ganze Reihe türkischstämmiger Jugendlicher mit T-Shirts der ‚Grauen Wölfe‘ als Fischverkäufer aufgetreten“ sind, war einigen Mitgliedern des Kreisverbands der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD), der Linkspartei und FÜR Esslingen sauer aufgestoßen. Auch Enrico Bertazzoni, Stadtverbandsvorsitzender der CDU, beobachtete den Auftritt mit Unbehagen und fotografierte die Szene. „Wir werden die Sache nicht auf sich beruhen lassen, sondern aktiv werden“, kündigt er im Gespräch mit der EZ an. Denn die „Grauen Wölfe“ sind kein unbeschriebenes Blatt. Sie organisieren sich unter dem Dach der „Föderation der Demokratischen Türkischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.“ (ADÜTDF), die auch unter dem Namen „Türk Federasyon“ auftritt. Die Föderation gilt als „Sammelbecken extremer Nationalisten“, erklärt eine Sprecherin des baden-württembergischen Landesamtes für Verfassungsschutz, das die ADÜTDF wegen ihres „antidemokratischen Charakters“ beobachtet. Ideologisch orientieren sich die „Idealistenvereine“ an der „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP) in der Türkei. Die steht nicht nur für einen übersteigerten Nationalismus, sondern auch für den Panturkismus, „das heißt die Idee einer an den Grenzen des Osmanischen Reichs orientierten ‚Großtürkei‘ sowie für den Turanismus, der die Vereinigung aller Turkvölker vom Balkan bis Zentralasien anstrebt“, schreiben die Verfassungsschützer 2008 in ihrem Bericht. Vom Auftritt der „Grauen Wölfe“ am Stand des Vereins türkischer Arbeitnehmer hat die Stadtverwaltung erst durch den Brief der MLPD erfahren. „Es ist keinesfalls in unserem Interesse, einer Vereinigung oder Organisation, die Gegner unseres Rechtsstaats ist, ein Podium zu bieten“, unterstreicht Markus Raab, der als Kulturbürgermeister auch für die Organisation des Bürgerfestes zuständig ist. „Wenn wir Derartiges feststellen, werden wir einschreiten.“ So werde man dem Verein türkischer Arbeitnehmer deutlich machen, „dass uns das Auftreten der ‚Grauen Wölfe‘ irritiert hat und wir diese Gruppe auf dem Bürgerfest nicht sehen möchten“.

 

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„Keine rechtliche Handhabe“

Rechtlich seien ihm aber die Hände gebunden. Zwar gibt es Richtlinien, die festlegen, wer auf dem Bürgerfest einen Stand aufbauen darf. Doch besagen die lediglich, dass „jeder Bürger und jeder Verein, der in Esslingen seinen Sitz hat am Bürgerfest teilnehmen darf“. Dritten dürfe der Stand dann allerdings nicht überlassen werden. „Aber eine politische Prüfung gibt es im Vorfeld nicht.“ Die würde auch nicht weiterhelfen. „Denn wir leben in einem Rechtsstaat. Und solange eine Vereinigung nicht verboten ist, haben wir keine rechtliche Handhabe, ihr eine Teilnahme am Bürgerfest zu verwehren.“ Das Gleiche gelte übrigens für die Nutzung Esslinger Hallen.

Bei Großveranstaltungen „kommt die ADÜTDF auch punktuell mit Organisationen wie Milli Görüs oder mit DITIB zusammen“, weiß die Sprecherin des Verfassungsschutzes, die aber ausdrücklich darauf hinweist, dass DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) „nicht von uns beobachtet wird“. Unter Beobachtung der Verfassungsschützer steht aber die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), die immer wieder zu Großveranstaltungen nach Esslingen einlädt. So etwa im April 2008, als nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes „aus Anlass der Prophetengeburt eine gemeinsame Veranstaltung von IGMG, türkischen Nationalisten (Türk Federasyon) sowie zwei der DITIB zugehörigen Moscheen durchgeführt“ wurde. Auch in diesem Frühjahr traf man sich, wie Berichte in der Zeitung „Milli Gazete“ belegen, zu einer Veranstaltung im Zentrum Zell. „Bei der Vergabe der Hallen sind wir aber ebenfalls an den Gleichheitsgrundsatz gebunden“, macht Markus Raab deutlich.

Wolfskopf und drei halbmonde als symbol

Die Gründung der „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP), für die die „Grauen Wölfe“ die Funktion ähnlich einer „Kommandoeinheit“ ausübten, erfolgte 1969. Ihr Feindbild sehen die extremen Nationalisten zum einen im politisch linken Spektrum, zum anderen in den nicht-türkischen Ethnien der Türkei, vor allem den Kurden. Ende der 70er-Jahre waren die „Kommandos“ für die meisten politischen Morde in der Türkei verantwortlich.

Die „Grauen Wölfe“ (auf Türkisch Boz­kurtlar) bedienen sich einer auffälligen Symbolik: Die Anhänger verwenden den sogenannten Wolfsgruß, ein von den Fingern der rechten Hand mit abgespreizten Fingern geformter Wolfskopf. Das Symbol der MHP ist eine Flagge mit drei nach rechts geöffneten Halbmonden. Die drei Halbmonde sind der Fahne der Okkupationstruppen der osmanischen Besatzungsarmee entnommen.

Wurde der Islam in der Gründungsphase der MHP eher abgelehnt, stellt der Verfassungsschutz jetzt fest, dass sich inzwischen „auch die islamische Religion als zentrales Moment einer türkischen Identität, wie sie von den Anhängern dieser nationalistischen Bewegung definiert wird, in der Parteiideologie verfestigt“ hat.

Neben einem ausgeprägten Nationalismus gehören unter anderem der „Idealismus“ und der „Moralismus“ zur Doktrin der ADÜTDF. „Die übersteigerte Auslegung dieser Werte macht den antidemokratischen Charakter dieser Organisation aus“, heißt es im Bericht des Verfassungsschutzes. So führe der extreme Nationalismus „zu Intoleranz gegenüber anderen Völkern“ und der extreme Moralismus „zur Einschränkung der individuellen Freiheit vor allem der von Frauen“. Nach den Erkenntnissen der Verfassungsschützer sind die „Idealistenvereine“ besonders um die in Deutschland lebenden türkischen Jugendlichen bemüht, denen sie die Botschaft vermitteln, „in der Fremde die türkisch-islamische Kultur verteidigen und erhalten zu müssen“. Dieser Kulturbegriff werde jedoch nicht pluralistisch ausgelegt. Er „orientiert sich an den engen Vorstellungen der nationalistischen Bewegung“, heißt es im Bericht des Verfassungsschutzes. daw

Artikel vom 22.07.2009 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (6)

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04.08.2009 18:53 von C.E.

@ Panturkismus

Dass die MHP Nationalisten sind, steht wohl außer Frage. Und selbst wenn es woanders so sein sollte, dass jeder auf sein Land stolz ist ändert das nichts daran, dass soetwas erstmal Scheiße ist.

Und zu sagen das die MHP "bestimmt keinen hass gegen kurden" erzeugt ist einfach unumstritten falsch. Die MHP ist genauso nationalistisch wie jede andere Faschopartei und deswegen nirgendwo zu rechtfertigen. Auch nicht in Esslingen. Und die grauen Wölfe ebenso wenig, wenigstens wird ihr menschenverachtendes Bild sichtbar auf einigen Demonstrationen.

Man kann nur hoffen, dass man den Neofaschisten die Stirn bietet und mit ihnen umgeht wie mit deutschen Faschos. Und das heißt keinen Fußbreit den Grauen Wölfen.

Im Übrigen habe ich ein nettes Zittat gefunden: "Seit der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg und dem Scheitern Enver Paschas in seinen Bemühungen, mit Hilfe der Basmatschi-Rebellen Anfang der 1920er Jahre ein neues großtürkisches Kalifat in Samarkand zu errichten, ist der Panturkismus unbedeutend."

03.08.2009 22:09 von Panturkismus

So ein blödsinn die NPD mit der MHP zuvergleichen. Um hier mitreden zu können müsst ihr erst mal etwas über Türkische kultur lernen, dort ist es nicht wie hier, das wenn einer sagt ich bin stolz türke zusein das die leute auf die losgehen und sagen das er ein Nazi ist nein, bei uns wird der Nationalstolz immer hoch gelobt, dazu muss man nicht MHP mitglied sein, jeder Türke liebt sein land fanatisch (zu 98%) das liegt aber eher an unser Kultur an unsere Geschichte. Und die MHP gab es schon bevor es einen Kurden konflikt in der Türkei gab, sie schürren bestimmt keinen hass gegen Kurden oder sonstige minderheiten, im gegenteil, sind sogar sehr viele dieser volks gruppen mitglieder in der MHP. Und ihr könnt nicht auf die mHP zeigen und sagen die leugnen denn "Völkermord an denn Armeniern" wir türken allgemein egal ob MHP oder sontige Partei sind der klaren überzeugung das es dort keinen Völkermord gab, die Armenier selbst haben 500.000 tausend Aserbaidchaner getöätet wo bleibt dort der vorwurf ? Damals gab es halt kalte krige und in Kriegen sterben Menschen, auf die Armenier wurde nicht einmal geschossen sie wurden einfach gezwungen zu fuss das land zu verlassen wobei vieole von ihen in der hitzte gestorben sind. MHP

01.08.2009 10:10 von Rechtsextremismus auf Türkisch

Die "Bozkurtler" sind Leute, die sich in ihrem Weltbild strukturell kaum von NPDlern unterscheiden: Man leugnet den Armenier-Völkermord, Antisemitismus mit "Juden und Amerikaner als Brunnenvergifter der Welt" ist dort virulent, Haß und Überlegenheitswahn gegenüber anderen Völkern. Es wird hierzulande viel in Aufklärungskampagnen gegen Rechtsextremismus investiert - wenn von der Türkei aus Rechtsextremismus nach Deutschland getragen wird, muß man auch diesen (viel) entschiedener bekämpfen!

01.08.2009 09:08 von Türke

Haha, also das Hakenkreuz schockt in den muslimischen Ländern nicht so sehr wie einige Deutsche es glauben...

24.07.2009 01:52 von Armenischer Völkermord

Diese Fische stinken definitiv ...

Feindbilder der Grauen Wölfe :

Als Synonym für die kurdische Untergrundorganisation PKK wird auf einschlägigen Webseiten der Begriff „Babymörder“ verwendet. Als weitere Feindbilder sind Juden, Zionisten, Freimaurer, der Vatikan, Kommunisten, Griechen, Armenier, Perser und die USA zu nennen

Welche Reaktion würde es wohl in der Türkei geben wenn zb. in Istanbul bei einem Bürgerfest ein Gruppe von jungen deutschen Fischverkäufern T-Shirts mit Hitlers Hakenkreuz bedruckt tragen würden ?

23.07.2009 20:46 von Oscar V.

Ich war am Tag des Bürgerfests selbst sehr überrascht, nachdem ich die Jugendlichen mit diesen T-Shirts rumlaufen gesehen habe. Ich finde dies hat überhaupt nicht in solch einem Fest gepasst. Politische Denkweisen -Öffentlich und an Festen wie diesen zu zeigen seh ich nicht gern. Ich vermute sogar, dass manche Jugendliche die diese "Symbole" Tragen, nicht den Hintergrund und die extreme Bedeutung der "Grauen Wölfe" bzw. "MHP" wissen. Schade, dass es so anfängt. Schade dass nicht beteiligte Vereine/ Menschen auch passiv mit einbezogen werden wie z.B DITIB oder türkische Bürger.


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