SERIE HISTORISCHE SCHäTZE

Die große Welt im Kleinformat

ESSLINGEN: Stadtmuseum zeigt einen Miniatur-Oberleitungsbus der Firma Eheim

Von Dagmar Weinberg

Dem Grundsatz, dass nicht nur „alles echt wirkt“, sondern auch „wie in der Wirklichkeit funktioniert“, fühlte sich die Esslinger Firma Eheim bei ihren Produkten für Modellbauer verpflichtet. Zu den Verkaufsschlagern mauserte sich ihr Modell-Oberleitungsbus, der jetzt als „Objekt des Monats“ im Esslinger Stadtmuseum unterwegs ist. Der Trolley-Bus, der in den 1950er-Jahren auf den Markt kam, war kein Zierrat. Aus der Idee heraus geboren, auch die Straßen einer Miniatur-Eisenbahn zu beleben, kurvte der detailgetreu nachgebildete Oberleitungsbus in einem parallelen Fahrnetz über die Anlage.Der Ingenieur Gunther Eheim hatte 1949 in der Mittleren Beutau 42 eine Firma zur „Reparatur und Herstellung technischer Spielwaren“ gegründet, weiß der kommissarische Leiter des Stadtmuseums, Christian Rilling. Zum Sortiment gehörten maßstabsgetreue Spielwaren für die Modelleisenbahn, wie etwa der berühmte „Seuthe-Dampferzeuger“ für H0-Lokomotiven, eine Miniatur-Seilbahn oder eben der Trolley-Bus, der dem Esslinger Original nachempfunden worden war. Denn in der Neckarstadt verkehrten seit 1944 Oberleitungsbusse. In ihrer Werbung versuchte die Firma Eheim die Modellbahnbauer dann auch bei ihrer Ehre zu packen. So machte das Esslinger Unternehmen nicht nur deutlich: „Trolley-Bus und Eisenbahn gehören zusammen.“ Der O-Bus wurde auch als „das modernste Verkehrsmittel“ gepriesen. Wer ihn auf seiner Anlage fahren ließ, konnte also zeigen, dass er auf der Höhe der Zeit ist. „So schön der Trolley-Bus auch als Einzelspielzeug ist, so vollendet wird erst das schöne Eisenbahn-Verkehrsnetz, wenn die Anlage auch der Trolley-Bus belebt“, warb Eheim. Schließlich steckten in dem Miniatur-Bus viele technische Raffinessen, die die Herzen der Modellbahnbauer höher schlagen ließen. Mit Hilfe von Transformatoren und dank einer ausgeklügelten Steuerung überwand der Oberleitungsbus Steigungen von bis zu 40 Prozent. Auch Serpentinen bereiteten keine Schwierigkeiten. Zudem gab es die Möglichkeit, einen Bahnübergang in die Anlage zu integrieren, der mit Hilfe einer Blinklichtanlage so gesteuert wurde, dass der Bus die Gleise nur passierte, wenn sie auch tatsächlich frei waren. Ein Schaltrelais sorgte dafür, dass auch Gegenverkehr möglich war oder der Bus automatisch an Kreuzungen sowie an festgelegten Haltestellen anhielt. Mit Hilfe eines Relais ' konnten die Modelleisenbahner auch die Beleuchtungsanlagen des Fahrzeugs betätigen. Da das von der Firma Eheim entwickelten technische Zubehör nur drei auf vier Zentimeter groß war, ließ es sich ohne Probleme auf der Anlage platzieren. Dank verschiedener Weichen- und Kreuzungsstücke konnten die Modellbauer ihrer Kreativität auch bei der Streckenführung freien Lauf lassen. Doch riet die Firma ihnen, vorab einen Streckenplan auszuarbeiten, „damit man weiß, wie lang die Oberleitung wird und wie viele Masten benötigt werden.“

 

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Obwohl der Trolley-Bus, den es übrigens auch mit Anhänger gab, bei den Modelleisenbahnern hoch im Kurs stand, gab die Firma Eheim 1963 die Modellbausparte auf, hat Christian Rilling herausgefunden. Fortan wandte man sich der Weiterentwicklung einer Kreiselpumpe zu, die entwickelt worden war, um auf der Modellbahnanlage einen Springbrunnen zu betreiben. Da sie äußerst zuverlässig arbeitete, wurde sie auch in der Medizintechnik sowie in Laborgeräten eingesetzt. Durch einen Behälter ergänzt, entstand 1963 schließlich der Eheim-Saugfilter zur Reinigung von Aquariumwasser. Mit dieser Entwicklung legte die Firma dann den Grundstein für ihr weiteres Wachstum. Heute ist das Unternehmen, das 1980 in Deizisau seine neuen Produktionsstätten bezog, weltweit führend im Bereich der Aquaristik.

Unter dem Titel „Historische Schätze“ stellt die Eßlinger Zeitung Objekte und Neuerwerbungen des Stadtmuseums, oder auch Schenkungen an das Ausstellungshaus vor. Zudem werden Schätze aus dem Fundus des Stadtarchivs und des Esslinger Geschichts- und Altertumsvereins präsentiert. Der Trolley-Bus ist bis Ende Juli im Gelben Haus am Hafenmarkt zu sehen.

Artikel vom 10.07.2009 © Eßlinger Zeitung

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