Mit noch mehr Qualität gegen das Defizit
ESSLINGEN: Verkehrsbetrieb stellt Jahresbilanz vor - Verlust steigt auf 4,1 Millionen Euro
Obwohl er mit spitzem Bleistift rechnen muss, mag Bertram Schiebel die Leistungen des SVE nicht allein am Betriebsergebnis messen: „Auch wenn natürlich alles versucht werden muss, um die Belastungen einzudämmen, steht für uns die kontinuierliche Verbesserung der Leistungen unseres SVE weiterhin im Vordergrund. Der öffentliche Personennahverkehr hat für die Bürger einen ganz hohen Stel lenwert, dem wir auch gerecht werden müssen.“ Den guten Standard nicht nur zu halten, sondern weiter auszubauen, und gleichzeitig das Defizit wieder einzudämmen, ist für Schiebel die große Herausforderung in der nächsten Zeit.
Erste Erfolge im Ausbau des Angebots wie die Verlängerung der Linie 106 bis nach Winterbach hat der Städtische Verkehrsbetrieb bereits verbucht, an weiteren Leistungsverbesserungen arbeiten Stadt und Verkehrsbetrieb: Die Planungen für den zentralen Omnibusbahnhof werden weiter vorangetrieben, auch wenn angesichts der zugespitzten Finanzlage nicht klar ist, ob eine Realisierung wie geplant ab 2012 in Angriff genommen werden kann.
Busverbindungen aus einem Guss
Um die Sicherheit von Fahrgästen und Personal zu verbessern, werden die SVE-Busse nach und nach auf Videoüberwachung umgestellt. Noch in diesem Jahr will der SVE in Zusammenarbeit mit der Esslinger Beschäftigungsinitiative (EBI) Kundenbetreuer anbieten. Vor allem sollen verbesserte Angebote wie etwa die Einführung so genannter Durchmesserlinien, die Verkehrsverbindungen aus einem Guss schaffen, den SVE attraktiver machen und damit auch die Einnahmenseite verbessern.
Dass die Stadt mit dem Einsatz von O-Bussen auf dem richtigen Weg ist, hätten Experten jüngst auf einem Fachkongress in Esslingen bestätigt. Der O-Bus erzeuge lokal keine Schadstoffe, zudem sei seine Energiebilanz äußerst positiv. Vor allem aber passe er in eine Stadt mit der Topographie von Esslingen. Deshalb hat Finanzbürgermeister Bertram Schiebel auch keinerlei Verständnis für den Verband Region Stuttgart (VRS), der in den Verhandlungen über einen neuen Verkehrsvertrag nur noch pauschalierte Kosten erstatten und dabei die erhöhten Aufwendungen für O-Busse nicht berücksichtigen möchte. Außerdem honoriere der vom VRS angebotene Vertrag auch nicht eine etwaige Steigerung der Einnahmen. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Gemeinderat das unwidersprochen hinnehmen wird“, sagt Schiebel, der genau wie Mickael Pandion an seiner Ablehnung angedachter Linienbündelungskonzepte für den Nahverkehr festhält, „weil sie dem Mittelstand schaden und auf Dauer keineswegs günstiger kommen als die bisherige Regelung“.



Artikel kommentieren