„ Das System der Zukunft“

ESSLINGEN: Kongress im Neckar Forum beschäftigt sich mit dem Elektrobus - Schiebel will O-Bus-Netz ausbauen

Auf einer Fachtagung im Esslinger Neckar Forum wird die Elektrobus-Technologie in Zeiten des Klimawandels und -schutzes als Technik mit großer Perspektive gepriesen. Viel mehr Städte als bisher gelte es davon zu überzeugen. In Esslingen rennen die Experten offene Türen, hier denkt man über eine Erweiterung der bestehenden Linien nach.

Von Claus Hintennach

In den 40er- und 50er-Jahren war der Elektroantrieb im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) weit verbreitet. In der Nachkriegszeit waren nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das den Kongress in Esslingen veranstaltet, in mehr als 70 Städten O-Busse im Einsatz. Heute sind es nur noch drei: Neben Esslingen sind das Solingen und Eberswalde. In die Neckarstadt wurde 1944 der erste O-Bus geliefert. Heute verkehren auf der Hauplinie, dem 101er zwischen Obertürkheim und Oberesslingen, täglich mehr als 7000 Fahrgäste. Der 118er auf den Zollberg nimmt weniger Personen auf, aber gerade hier sieht Bertram Schiebel, der Esslinger Finanzbürgermeister, Entwicklungspotenzial. Eine Ausdehnung des Netzes mit den Oberleitungen sei nach Berkheim und Nellingen denkbar, sagt Schiebel und denkt in einem Zeitrahmen von zehn Jahren. Doch noch gelte es auch hierzulande viel Überzeugungsarbeit zu leisten.Dabei liegen die Vorteile laut Schiebel auf der Hand. Während der Busfahrt entstehen keine Emissionen, es ist fast nichts zu hören, die Energieeffizienz ist hoch, am Berg sei der Elektro- dem Dieselmotor überlegen. Und neue technische Entwicklungen machen das System noch konkurrenzfähiger.Das sehen auch die Experten so. Elektro-Busse seien das „System der Zukunft“, sagt Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR. Wörner sieht nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile. So würde etwa der höhere Anschaffungspreis eines O-Busses durch längere Lebensdauer sowie geringere Betriebs- und Wartungskosten überkompensiert. Zudem seien die O-Busse im Verkehr flexibler als Straßenbahnen, können etwa Hindernissen ausweichen. Energierückgewinnung beim Bremsen oder Superkondensatoren in den Batterien, mit denen sogar kurze Strecken unabhängig von den Oberleitungen zurückgelegt werden können, belegen den technischen Fortschritt. Die Öko-Bilanz eines Elektrobusses sei deutlich besser als die eines Busses mit Dieselmotor, sagt Wörner. Auch in der Kombination der beiden Antriebe - in Form von Duo- oder Hybridbussen - ließen sich die Vorteile transportieren.

 

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Millionen-Förderung

Davon ist offenbar auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee überzeugt. Er hat nicht nur die Schirmherrschaft für die Esslinger Konferenz übernommen, sein Ministerium fördert im Rahmen des Konjunkturpakets II auch mit 115 Millionen Euro „Modellregionen Elektromobilität“.

Auch andernorts ist man von dem Elektroantrieb im ÖPNV überzeugt, bei der Verleihung des Klimaschutzpreises „Climate Star“ im Jahr 2007 an Esslingen waren die O-Busse zentraler Bestandteil der Begründung. Schiebel glaubt, dass das Oberleitungssystem mit zu der außergewöhnlich guten Kunden-Beurteilung des öffentlichen Nahverkehrs in Esslingen geführt hat. Städte wie Rom und Salzburg würden auf das O-Bus-System setzen, trotz der Leitungen vor kulturhistorischer Bausubstanz. Leipzig zeige zudem großes Interesse an einer Einführung. Froh sei man, dass in Esslingen nach einer Diskussion Ende der 90er-Jahre weiter auf die O-Busse gesetzt wurde. Bestehende Vorbehalte müssten doch andernorts, auch in der direkten Nachbarschaft, zu überwinden sein. „Die Zeit ist günstig, um in die Offensive zu gehen“, sagt Schiebel.

Artikel vom 19.06.2009 © Eßlinger Zeitung

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