„Wie bei einer Oscar-Verleihung“
ESSLINGEN/BERLIN: Erweiterungsbau des Landratsamtes mit PPP-Innovationspreis ausgezeichnet
„Das ist hier tatsächlich wie bei einer Oscar-Verleihung.“ Dem stellvertretenden Esslinger Landrat Matthias Berg waren gestern Abend am Telefon die Aufregung und Freude anzuhören. Gerade hatte er in Berlin den Preis in der Kategorie „bestes Verwaltungsgebäude“ beim bundesweit ausgelobten Innovationspreis Public Private Partnership (PPP) 2009 entgegen genommen. Wie der Erweiterungsbau des Landratsamtes entstanden ist und natürlich seine Architektur - das hat die Jury überzeugt.
Baden-Württemberg hat richtig abgeräumt: Im Rahmen des 12. Deutschen Verwaltungskongresses „Effizienter Staat 2009“ in Berlin wurden gleich vier Preisträger aus dem Land ausgezeichnet, darunter der im Dezember vergangenen Jahres fertiggestellte Erweiterungsbau des Landratsamtes. „Dass wir beim Bau die Kosten gut im Griff hatten, dass die Architektur hervorragend gelungen ist und die Energiebilanz außerordentlich positiv ausfällt, hat die Jury beeindruckt“, schildert Berg. Das sei ja nicht gerade typisch für PPP-Projekte, die in öffentlich-privater Partnerschaft entstehen: „Da wird vorwiegend aufs Sparen geschaut.“ Dass man nun bundesweit im „besten Verwaltungsgebäude“ residiere, das freue einen schon gewaltig, gab Berg gern zu.
Jährliche Preisvergabe
Der Innovationspreis PPP wird jährlich vom Bundesverband Public Private Partnership (BPPP) und dem Behörden-Spiegel bundesweit ausgelobt. „Unser Ziel, mittelständische Unternehmen bei PPP-Projekten möglichst stark einzubinden, ist beim Projekt des Landkreises Esslingen hervorragend gelungen“, freute sich gestern auch Wirtschaftsminister Ernst Pfister bei dem festlichen Anlass. Errichtet wurde das Gebäude mit einem Investitionsvolumen von rund 23 Millionen Euro von der Public Consult GmbH mit den drei Gesellschaftern Public Consult Berlin, dem mittelständischen Stuttgarter Bauunternehmen Gustav Epple und den Stadtwerken Esslingen. Diese sind für die kommenden 30 Jahre für Management und Versorgung des Verwaltungsbaus zuständig. 85 Prozent der Aufträge vergab das Bauunternehmen auf Nachunternehmer-Ebene an Firmen im Land. 60 Prozent der gesamten Wertschöpfung für dieses Projekt verbleiben in der Region Esslingen, lobte Pfister. Auch das Thema Nachhaltigkeit sei dank der Sicherstellung der langfristigen Instandhaltung und dank eines innovativen Energiekonzeptes „vorbildlich“ gelöst worden.
Zum beiderseitigen Nutzen
Bei PPP wird ein Privatunternehmen durch Ausschreibung von der öffentlichen Hand beauftragt, in eine Infrastruktureinrichtung zu investieren und diese langfristig zu bearbeiten. Das beauftragte Privatunternehmen erhält als Gegenleistung ein Entgelt von der öffentlichen Hand. Bei den ausgezeichneten Projekten ist es nach Ansicht der Jury öffentlichen und privaten Partnern besonders überzeugend gelungen, „zum beiderseitigen Nutzen gemeinsame Projekte zu realisieren“. Kriterien waren vor allem Wirtschaftlichkeit, sinnvolle Risikoverteilung, innovativer Charakter und Übertragbarkeit von Lösungsansätzen. „Mit PPP können Kosten bei der Modernisierung der Infrastruktur eingespart werden - vor allem dadurch, dass ein Privatunternehmen für den gesamten Lebenszyklus eines Objektes die unmittelbare Verantwortung für die Kosten hat“, sagte Pfister. Es gehe aber nicht allein um Kostensenkung. Mit PPP werde die Qualität nachhaltig gesichert, da der private Vertragspartner die von der öffentlichen Hand vorgegebenen Qualitätsanforderungen für die gesamte Vertragslaufzeit, also 20 oder 30 Jahre, sicherstellen müsse. Die Instandhaltung sei damit gewährleistet.



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