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Edle Tropfen und spektakuläre Ausblicke

AboPlus-Führung durch die Esslinger Weinberge - „Es ist warm und feucht, da wachsen uns die Reben davon“ - Weinanbau hat historische Dimension

 
 
 

Esslingen - Unter dramatischem Wolkenhimmel inklusive Regenbogen boten die Esslinger Weinberge bei der AboPlus-Führung der EZ ein überaus malerisches Bild - und immer wieder sorgten nicht nur die edlen Tropfen im Glas sondern auch Schauer von oben für Erfrischung. Durch die steilen Lagen über dem Neckartal wurden die EZ-Leserinnen und Leser vom Vorstandsvorsitzenden der Weingärtner Esslingen Albrecht Sohn sowie Vorstandsmitglied Achim Jahn geleitet.

Von Iris Koch

Gestärkt von einem Gläschen e-secco machte sich die Gruppe auf den Weg in den Esslinger Schenkenberg, um sich dort in zwei Trupps aufzuteilen. Reihe um Reihe präsentierte sich in den terrassierten Hängen das sprießende Grün der Reben. Derzeit herrsche ideales „Wachstumswetter“ für den Wein, informierte Achim Jahn: „Es ist warm und feucht, da wachsen uns die Reben davon - und wir kommen mit der Arbeit kaum nach“. Denn in der Feuchtigkeit gedeihen auch Pilze wie der Echte Mehltau oder Peronospera prächtig - und für den Wengerter heißt es, die Pflanzen vorsorglich auszulichten. Ohnehin sei der Weinbau in den steilen Lagen „eine schwere Schafferei“, so der Experte. Und die Wengerter müssten sich mehr denn je anstrengen, um „Weine zu produzieren die sich lohnen, sonst zupfen wir hier in ein paar Jahren Brombeeren“. Und das wäre überaus schade, wie sich bei der Verkostung des „Blanc de Blanc“ vor Ort feststellen ließ. Der fruchtige Sommerwein stelle eine Premiere dar, so Jahn: „Den haben wir zum ersten Mal produziert“. Der Tropfen kam etwa bei Margarete und Günther Felke aus Wernau gut an: „Der schmeckt wunderbar - und vor allem ist es kein Massenprodukt“. Doch auch traditionelle Sorten werden bei den Weingärtnern hochgehalten: „Der Trollinger gehört hierher, der passt zu uns und wir Wengerter mögen ihn einfach“, hielt Achim Jahn ein Plädoyer für die in Württemberg verbreitetste Rebsorte. Und eine absolute Entdeckung sei es für ihn, den Trollinger gekühlt zu Spargelgerichten zu servieren: „Das ist der Wahnsinn“.Den Trollinger wie auch den Weinbau im Allgemeinen brachten einst die Römer nach Esslingen, so wird vermutet. Über Jahrhunderte hinweg etablierten Mönche den Weinbau in der Stadt: In schweißtreibender Arbeit hätten sie die Hänge kultiviert und die heute noch existierenden „Mäuerle“ aus Sandstein gebaut, weiß Achim Jahn. Vorwiegend vom florierenden Weinbau und -handel habe die Stadt bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gelebt, betont der Wengerter die historische Dimension des Rebenanbaus. Esslinger Wein wurde im Mittelalter weithin exportiert - so etwa ins Elsass. Heute werden die Produkte der Weingärtner Esslingen vorwiegend regional verkauft und getrunken - doch daran könne man noch arbeiten, meint Achim Jahn. Von den Vorzügen des heimischen Rebensaftes konnten sich die Abonnentinnen und Abonnenten auch bei der anschließenden Weinverkostung im stimmungsvollen Weingärtner-Keller in der Webergasse 7 überzeugen. Als ganz besonderen Tropfen pries der wortgewandte Achim Jahn den Wein von der Esslinger Burg - der kleinsten Einzellage in Württemberg: Aufgrund der eingrenzenden Mauern am Südhang und des speziellen Bodens herrsche hier ein Kleinklima, das dem Wein einen einzigartigen Geschmack verleihe. Genüsslich ließ man sich schließlich den Riesling, Grauburgunder oder auch den Zweigelt aus dem Holzfass auf der Zunge zergehen - und die deftige „Grundlage“ in Form eines Wengertervespers durfte natürlich auch nicht fehlen.

http://mediathek.ez-online.de

 

Artikel vom 05.06.2010 © Eßlinger Zeitung

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